TL;DR: Cory Booker redet seit über 21 Stunden im US-Senat – gegen Trump, gegen Musk, für Demokratie & Gerechtigkeit. Ein Aufschrei: stehend, kämpfend, klar. In Zeiten der Lethargie – ein Akt politischer Würde und des Widerstands gegen Autoritarismus.
Cory Booker steht. Seit mehr als 21 Stunden. Er steht, redet, trotzt – dem Schlaf, der Müdigkeit und einem Senat, in dem sonst schon ein Gedankenstrich zu revolutionär gilt. Während der Rest der Demokratischen Partei noch darüber sinniert, ob man Faschismus duzen oder siezen sollte, marschiert Booker durchs Rednerpult wie ein schwarzer Diogenes mit Mikrofon.
Wer ihn unterschätzt, hat ihn nie gesehen, wie er 1988 in Newark in einem Zelt kampierte, auf Wasser verzichtete, nicht aus Askese, sondern aus Protest gegen die desaströse Stadtplanung – und prompt einen Sitz im Stadtrat gewann. Der Mann weiß: Symbolik ist die letzte Bastion der Machtlosen.
Diesmal richtet sich sein Protest nicht gegen verfallende Stadtviertel, sondern gegen den Verfall der politischen Moral. Trump ist zurück. Musk ist drin. Und gemeinsam basteln sie an einer neuen Version des amerikanischen Traums: für Reiche, von Reichen, ohne Rücksicht auf Verluste. Sozialversicherung? Weg. Rechtsstaat? Behindert. Verfassung? Optional.
Booker nennt es beim Namen. Aufrecht, erschöpft, elektrisiert. Der Demokrat aus New Jersey geißelt Trumps Sparpläne bei der Sozialversicherung, geleitet von keinem Geringeren als dem Minister für Regierungseffizienz – Elon Musk, der libertäre Leuchtkörper mit dem Charme eines Steuerprüfers. Booker rechnet vor, dass Millionen Amerikaner ohne diese Leistungen buchstäblich untergehen. Dass Musk und Trump sich daran bedienen wollen wie an einer PayPal-Schatztruhe, nennt er eine „Verhöhnung des Volkes“. Und hat recht.
J
a, ich weiß. "Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun." Und doch – "Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!" – vielleicht ist genau das hier, dieser Marathon, eine Art kollektiver Selbstrettung. Bookers Aktion und Bernie Sanders' „Fight Oligarchy“-Tour durch die verlorenen Wahlbezirke des Mittleren Westens zeigen: Man kann sich wehren. Und man kann dabei mehr als nur Schilder hochhalten.
Der Zynismus der Republikaner kennt keine Grenzen, aber immerhin noch Stil: Sie loben Booker staatsmännisch, während sie ihm ins Wort fallen wollen. Booker kontert, höflich, hart, unerbittlich – und bleibt am Rednerpult, weil er weiß, dass stehen bleiben in Zeiten wie diesen schon Widerstand ist.
Chuck Schumer nennt ihn „klar“ und „standhaft“, als würde er sich dabei nicht selbst vergewissern wollen, dass wenigstens einer von ihnen Rückgrat hat. Und während Booker über 9/11, die New York Giants und amerikanische Rentner spricht, trägt er eine Botschaft: Dass es keine Neutralität gibt, wenn der Präsident einen Staat demontiert wie ein altes Tesla-Modell auf dem Schrottplatz.
Diese Rede, so technisch gesehen keine Filibuster, war ein Paukenschlag – politisch wie rhetorisch. Eine dieser seltenen, archaisch anmutenden Handlungen, mit denen ein einzelner Mensch dem drohenden Wahnsinn Einhalt gebieten will, allein mit Worten und Willen.
Das ist nicht das Ende. Das ist ein Anfang. Vielleicht. Wenn man es zulässt.
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